Feierliche Einweihung der Friedenskapelle in Rossoschka

Heute (07.09.) nahm Botschafter von Fritsch an der feierlichen Einweihung der Friedenskapelle in Rossoschka teil.

Ansprache von Botschafter von Fritsch

  Feierliche Einweihung der Friedenskapelle in Rossoschka Bild vergrößern Feierliche Einweihung der Friedenskapelle in Rossoschka (© Мария Цепляева) "Wenn die Erwachsenen zu der Zeit, als meine Generation jung war, in Deutschland über den Krieg sprachen – und das war oft der Fall -, dann gehörte zu den schrecklichsten Wörtern: „Stalingrad“. Jeder kannte jemanden oder war mit jemandem verwandt, der „in Stalingrad gewesen“ war. Der „in Stalingrad geblieben“ war. Der „in Stalingrad in Kriegsgefangenschaft geraten“ war.

Stalingrad ist zum Synonym geworden für den grauenhaften Schrecken des Zweiten Weltkriegs.

Für die Deutschen verbindet sich „Stalingrad“ mit dem Angriff auf die Sowjetunion, mit Besetzung, Vernichtung, Tötung. Vor allem aber auch mit Überdehnung, Überspannung – mit Hybris.

Für Russland bzw. die Menschen und Völker der damaligen Sowjetunion verbindet „Stalingrad“ sich mit Angegriffensein, mit schrecklichen Verlusten, mit drohender Niederlage – und mit dem unbedingten Willen, sich dem Angriff zu widersetzen, mit dem erfolgreichen Widerstehen und mit heldenmütigem Opfergeist.

Für unsere beiden Länder und Völker verbindet „Stalingrad“ sich vor allem mit einem: mit unsäglichem Leid und schrecklichen Opfern. Deswegen ist es so wichtig, dauerhaft diese furchtbare Schlacht und all das, was mit ihr zusammenhing und aus ihr folgte, zu erinnern. Zum Frieden mahnen wir am besten, wenn wir daran erinnern, welch furchtbares Unglück und Leid es bedeutet, den Frieden nicht zu halten. Deswegen ist es so gut, dass es diese beiden nebeneinander gelegenen Friedhöfe für eine so große Zahl von Menschen gibt, die in der Schlacht von Stalingrad gefallen sind – für Sowjetbürger auf dem einen, für Deutsche auf dem anderen Friedhof.

Und nun haben wir eine eindrucksvolle Stätte des Gedenkens, die die beiden Ruhestätten verbindet. In dem Winkel, den ihre beiden Wände bilden, führt sie zusammen, in den Kreuzen in ihren beiden Wänden, dem lateinischen und dem orthodoxen, verweist sie auf das unsere Länder in ihrer Geschichte verbindende christliche Fundament und über das Kreuz hinweg auf die hoffnungsvolle Zusage des christlichen Glaubens.

Ich danke allen von Herzen, die dazu beigetragen haben, dieses Projekt zu realisieren und ich tue dies ausdrücklich auch im Namen von Bundesminister Frank-Walter Steinmeier, der gemeinsam mit seinem russischen Kollegen Sergej Lawrow die Schirmherrschaft über die heutige Einweihung der Kapelle übernommen hat.

Die Friedenskapelle von Rossoschka ist ein eindrucksvolles Beispiel zivilgesellschaftlichen Engagements. Sie wäre nie Wirklichkeit geworden ohne ihren großen Einsatz, Herr Holtz, ohne Ihr unermüdliches Wirken und Gewinnen von Unterstützern. Sie selbst haben viel beigetragen und auch viele weitere Privatpersonen. Wesentliche finanzielle Unterstützung wurde auch von einer Reihe von deutschen Unternehmen geleistet, die damit ein hervorragendes Beispiel für das bei uns so verbreitete Selbstverständnis geben, dass wirtschaftliches Tun und gesellschaftliche Verantwortung Hand in Hand gehen.

Und schließlich gilt ein großer Dank dem Volksbund Deutscher Kriegsgräberfürsorge, insbesondere seinem Präsidenten Markus Meckel, die in vielfältiger Form dafür gesorgt haben, dass das Projekt realisiert werden konnte.

Nicht möglich geworden wäre das Projekt ohne die Unterstützung russischer Partner vor Ort – die zuständigen Gebietskörperschaften und ihre Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter, insbesondere aber auch die Unterstützung der russisch-orthodoxen Kirche und ihres Wolgograder Metropoliten German.

Ihnen allen nochmals einen herzlichen Dank dafür, dass wir an so wichtiger Stelle nun ein würdiges, sichtbares Zeichen haben, das der Erinnerung, der Einkehr und dem Gebet dient, das insbesondere aber auch die Mahnung aussendet: Nie wieder! – Больше никогда!"

Friedenskapelle

Мария Цепляева