Kamingespräch in der Residenz: Deutschland, Rilke und Pasternaks

Nikita Markov Bild vergrößern (© Nikita Markov) Am 30. November 2017 fand in der Residenz des Deutschen Botschafters ein weiteres Kamingespräch der Reihe „Persönlichkeit, Freiheit und Verantwortung“ statt. Es war Leonid und Boris Pasternak gewidmet. Ein besonderes Highlight des Abends war dabei die feierliche Enthüllung des Gemäldes „Rainer Maria Rilke in Moskau“ von Leonid Pasternak, das als Leihgabe der Bayerischen Staatsgemäldesammlungen nach Moskau kam. Die Veranstaltung wurde gemeinsam mit der „Föderation der jüdischen Gemeinden Russlands“ (FEOR) organisiert.

2017 werden in Deutschland und Russland zwei Jubiläen gefeiert: der 155. Geburtstag von Leonid Pasternak und 60 Jahre der Erstveröffentlichung von „Doktor Schiwago“. „Leonid und Boris Pasternak sind nicht nur Leuchttürme für die deutsch-russischen Kulturverbindungen, sondern auch exemplarische Beispiele für die kulturelle Vielfalt des jüdischen Lebens in unseren beiden Ländern und dessen Beitrag zur Errichtung von Brücken“ – so Botschafter von Fritsch in seiner Begrüßung. Daher haben die Deutsche Botschaft Moskau und die „Föderation der jüdischen Gemeinden Russlands“ (FEOR) diese Veranstaltung gemeinsam durchgeführt.

Alexandr Boroda, Präsident der „Föderation der jüdischen Gemeinden Russlands“ (FEOR), betonte in seinem Grußwort, dass Leonid und Boris Pasternak „herausragende Vertreter des jüdischen Volkes, gleichzeitig aber auch große […] russische Künstler sind, auf die unser ganzes Land stolz ist“.

Literatur war für Boris Pasternak mehr als das Leben: „Literatur ist die Kunst, Außergewöhnliches an gewöhnlichen Menschen zu entdecken und darüber mit gewöhnlichen Worten Außergewöhnliches zu sagen“. Sein Vater hätte dies sicherlich über seine einzigartigen Porträts sagen können, in denen er Außergewöhnliches nicht nur an gewöhnlichen Menschen entdeckt hat. An diesem Abend wurde das Rilke-Porträt von Leonid Pasternak durch Botschafter von Fritsch und Restauratorin Barbara Staudacher enthüllt. Dieses Gemälde kam als Leihgabe der Bayerischen Staatsgemäldesammlungen aus München nach Moskau und wird nun in der Residenz des deutschen Botschafters ausgestellt.

Leonid Pasternak, der in München studiert hat, schrieb in seinen Erinnerungen: „Ein noch größerer Genuss war es, in die Alte Pinakothek zu gehen, um die alten Meister zu betrachten. …. Die Alte Pinakothek ist eine der besten europäischen Kunstsammlungen.“ Frau Staudacher, die auch für die Münchner Pinakothek der Moderne als Restauratorin arbeitet, begleitete das Rilke-Porträt nach Moskau.

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Die Bayerischen Staatsgemäldesammlungen freuen sich, mit der Leihgabe des Gemäldes „Rainer Maria Rilke“ von Leonid Pasternak für eineinhalb Jahre in der Residenz der Deutschen Botschaft in Moskau präsent zu sein […] Das Gemälde ist nicht nur ein Freundschaftsbild, sondern auch ein Erinnerungsbild – und Leonid Pasternak erinnert sich darin nicht nur an den jungen Rilke, sondern auch an Moskau […] Das Münchner Gemälde stammt aus dem Oxforder Nachlass Leonid Pasternaks; die Bayerischen Staatsgemäldesammlungen haben es im Jahre 1963 von dessen Tochter Josephine Pasternak erworben. Diese hatte lange in München gelebt, musste aber 1938 nach Großbritannien emigrieren. […] Bedenken wir all diese europäischen Implikationen, dann wird klar: In diesem einzigen Werk verdichten sich in faszinierender Weise russische und deutsche Geschichte sowie die Anlässe und Verpflichtungen zur Erinnerung und zum Gedenken.“ – so Dr. Bernhard Maaz, der Generaldirektor der Bayerischen Staatsgemäldesammlungen, in seinem Grußwort an die Veranstaltung. 

Eine besondere Freude und Ehre für die Gäste war, dass Frau Jelena Pasternak, Schwiegertochter von Boris Pasternak, beim Kamingespräch anwesend war. Am Gespräch über Leonid und Boris Pasternak haben zudem ausgewiesene Experten auf dem Podium Platz genommen: neben Frau Pasternak waren das: Maxim Didenko, Regisseur, Choreograph, Lehrer; Alexandr Archangelski, Literaturkritiker, Fernsehmoderator, Schriftsteller. Miodrag Soric, Chefkorrespondent der „Deutschen Welle“, hat das Gespräch moderiert. Der Impulsvortrag zum Thema „Das Land der „zweiten Geburt“: Deutschland in den Biographien von Leonid und Boris Pasternak“ wurde von Frau Professor Anna Sergejewa-Kljatis, einer ausgewiesenen Pasternak-Expertin und Professorin an der Staatlichen Lomonossow-Universität Moskau, gehalten.

Im Foyer der Residenz wurde zudem eine Ausstellung über Leonid und Boris Pasternak gezeigt, die dank Unterstützung des Russischen Staatlichen Literaturmuseums organisiert werden konnte.

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Das musikalische Programm des Abends mit den Lieblingswerken von Leonid und Boris Pasternak sowie dem von Boris Pasternak komponierten Präludium wurde von Aleksej Tschufarowskij (Klavier) gestaltet.

Die Deutsche Botschaft Moskau dankt dem Russischen Staatlichen Literaturmuseum und dem Lev Kopelew Forum Köln für die organisatorische und inhaltliche Unterstützung bei der Vorbereitung dieser Veranstaltung.

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Nikita Markov