Rilke und Russland. Ein Kamingespräch in der Residenz des Deutschen Botschafters

Deutsche Botschaft Moskau Bild vergrößern (© Deutsche Botschaft Moskau) Am Abend des 17. November 2016 fand eine weitere Veranstaltung in der Reihe „Persönlichkeit, Freiheit und Verantwortung“ mit freundlicher Unterstützung von Merck LLC statt. Das Kamingespräch in der Residenz des Deutschen Botschafters, Rüdiger Freiherr von Fritsch, war Rainer Maria Rilke und insbesondere seinen facettenreichen Verbindungen nach Russland gewidmet.

"... was verdankt ich Rußland -, es hat mich zu dem gemacht, was ich bin, von dort ging ich innerlich aus, alle Heimat meines Instinkts, all mein innerer Ursprung ist dort!" Mit diesen Worten teilt Rainer Maria Rilke 1920 seine Verbundenheit zu Russland mit und beschreibt – wie auch in zahlreichen seiner Werke – das Land als seine Heimat. Die Begegnungen mit Leo Tolstoi und seiner Begleiterin Lou Andreas Salomé brachten den deutschsprachigen Lyriker dazu, die Sprache zu lernen, Gedichte auf Russisch zu schreiben und schließlich dieses Land zwei Mal eingehend zu bereisen. Insbesondere seine Prosa sowie z.B. „Neue Gedichte“ oder sein Werk „Stunden-Buch“ wurden von diesen Erfahrungen beeinflusst.

Die heutige Rolle Rilkes für Deutsche und Russen wurde im Rahmen eines Kamingesprächs diskutiert, das von Botschafter von Fritsch unter Darstellung seiner ganz persönlichen Beziehungen zu Rilke eröffnet wurde. Der  Direktor des Russischen Staatlichen Literaturmuseums, Prof. Dr. Dimitrij Bak, moderierte die anschließende Podiumsdiskussion.  Ausgewiesene Experten aus Deutschland und Russland beteiligten sich hieran: Dr. Thomas Schmidt, Vertreter des Deutschen Literaturarchivs Marbach und gleichzeitig der Künstlerische Leiter des trinationalen Ausstellungsprojekts „Rilke und Russland“, Anastasia Alexandrowa, Vertreterin des Russischen Staatlichen Literaturmuseums im selben Projekt sowie Dr. Konstantin Asadowskij, Präsident des PEN-Clubs St. Petersburg. Begleitet von dem musikalischen Trio des Moskauer Tschaikowski-Konservatoriums teilten die Experten ihre Ansichten über die Bedeutung Rilkes für Russland und die heutige Zeit mit dem Publikum.

Dass das Interesse an Rilke bis heute und über  Landesgrenzen hinaus enorm ist, zeigte der große Andrang an diesem Abend: über  einhundert Gäste waren der Einladung des Botschafters gefolgt und begleiteten das Kamingespräch. Dr. Schmidt betonte aus seiner Sicht die unverändert bestehende Relevanz Rilkes für das heutige Russland und sprach dabei auch Rilkes Denken an, der Russland zuweilen idealisiert widerspiegelte. Rilkes besondere Beziehungen zu Russland sollen jetzt im Rahmen eines trinationalen Ausstellungs- und Forschungsprojekts „Rilke und Russland“ präzise aufgearbeitet werden. Dieses Projekt wurde von den beteiligten Institutionen (Deutsches Literaturarchiv Marbach, Russisches Staatliches Literaturmuseum, Schweizerisches Literaturarchiv) mit einer Pressemitteilung genau am 17.11.2016 offiziell angekündigt. Die Ausstellung «Rilke und Russland» wird am 3. Mai 2017 im Literaturmuseum der Moderne in Marbach eröffnet, ist ab 15. September teils in der Nationalbibliothek in Bern, teils im Strauhof in Zürich zu sehen und wandert im Februar 2018 nach Moskau.


Neue Ausstellung im Jahr 2017: Rilke und Russland [pdf, 80.97k]

Rilke und Russland

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