„Russische Schriftsteller und Deutschland: 125 Jahre Marina Zwetajewa“ - Literaturabend in der Residenz

Am 25. April 2017 fand in der Residenz des Deutschen Botschafters der Literaturabend „Russische Schriftsteller und Deutschland: 125 Jahre Marina Zwetajewa“ statt. Der Einladung von Botschafter Rüdiger von Fritsch folgten Zwetajewa-Experten und -Verehrer aus Deutschland und Russland, darunter bekannte Regisseure, Künstler und Wirtschaftsvertreter, Bildungspolitiker und Journalisten aber auch Schüler und Studenten. Der Literaturabend fand mit freundlicher Unterstützung von LCC „MERCK“ und in Zusammenarbeit mit dem Russischen Staatlichen Literaturmuseum und der Staatlichen Rudomino-Bibliothek für Ausländische Literatur statt.

Literaturabend in der Residenz "125 Jahre Marina Zwetajewa" Bild vergrößern Literaturabend in der Residenz "125 Jahre Marina Zwetajewa" (© Deutsche Botschaft Moskau)

Marina Zwetajewa, deren 125-jährigen Geburtstag wir 2017 begehen, ist eine Symbolfigur für die engen Verbindungen der literarischen Welten Deutschlands und Russlands, - so Botschafter von Fritsch bei seiner Begrüßung. Das Lebenswerk von Marina Zwetajewa war ein steiniger Weg und Kampf für die Freiheit der Buches, des geschriebenen Wortes und der Literatur,- unterstrich der Gastgeber. Der Literaturabend in der Residenz war u.a. dem Welttag des Buches gewidmet, der jährlich am 23. April begangen wird.

Mit dem Literaturabend in der Residenz in der geschichtsträchtigen Uliza Powarskaja wurde die literarische Tradition dieser Moskauer Gegend, die auch mit Zwetajewa unmittelbar verbunden ist, gewürdigt: Maksimilian Woloschin, Osip Mandelschtam, Wladimir Majakowskij, Aleksander Blok, Boris Pasternak, Sergej Jessenin und natürlich Marina Zwetajewa konnte man hier häufig antreffen.

Viele dieser Namen sind auch im Buch von Herrn Thomas Urban „Russische Schriftsteller im Berlin der zwanziger Jahre“ enthalten. Der Autor war persönlich anwesend und faszinierte mit einer detailreichen Präsentation der Biographie von Marina Zwetajewa und ihrer engen Verbindungen nach Deutschland. Prof. Dirk Kemper, Direktor des Instituts für russisch-deutsche Literatur- und Kulturbeziehungen an der Russischen Staatlichen Universität für Geisteswissenschaften, überraschte das Publikum mit einem Bericht über die wenig bekannten Beziehungen Zwetajewas zu Freiburg auf Basis eines Vortrags von Prof. Elisabeth Cheauré, die die Gründung des „Zwetajewa-Zentrums für russische Kultur an der Universität Freiburg e.V.“ am 25.05.2017 initiiert hat.

Selbstverständlich durften an diesem Abend auch die poetischen Schätze von Marina Zwetajewa nicht fehlen. So hat Prof. Dmitrij Bak, Direktor des Russischen Staatlichen Literaturmuseums und Moderator des Literaturabends, Gedichte Marina Zwetajewas nicht nur auf Russisch, sondern auch Übersetzungen ins Ukrainische von Wasil Stus zitiert. Prof. Ljudmila Werbizkaja, Präsidentin der Russischen Akademie für Bildung und Präsidentin der Staatlichen Universität St. Petersburg rezitierte das Gedicht „Fenster“ aus dem Zyklus „Schlaflosigkeit“. Jürgen König, Präsident der LLC „Merck“, deklamierte „Holunder“ und Christian Esch, Büroleiter „Der Spiegel“ Moskau, das Gedicht „Mich freut's, dass ich Sie liebe ohne Qual…“, das dem russischen Publikum dank dem Film „Ironie des Schicksals“ besonders gut bekannt ist. Der Theater- und Filmregisseur und künstlerischer Leiter des Gogol-Zentrums, Kirill Serebrennikow las Zwetajewas Widmung an Puschkin vor. Auch die Schüler der Deutschen Schule Moskau „Friedrich Joseph Haass“, Christopher Seipt und Leonhardt Pittdorf, erwiesen sich als Kenner der Poesie Zwetajewas und rezitierten ein Gedicht – in perfektem Russisch und Deutsch.  

Das musikalische Programm des Literaturabends wurde von jungen Musikern der Deutschen Schule Moskau, Preisträger der renommierten Wettbewerbe „Kinder musizieren“ und „Jugend musiziert“ (Andrey Shirshov, Gregor Sutton, Nika Lininger, Jana Kamenskaya) und ihrem Musiklehrer André Reichel gestaltet. Erneut wurde deutlich, welche großen musikalischen Talente an der Deutschen Schule lernen. Das Russische Staatliche Literaturmuseum stellte für den Residenzabend ein Fotoporträt sowie eine 3D-Vitrine mit einer modernen Installation von Briefen Zwetajewas zur Verfügung und sorgte auch auf diese Weise dafür, dass Marina Zwetajewa sichtbar und hörbar an diesem Abend zu Gast in der Residenz war.