Der I. Weltkongress für Menschen mit Behinderungen aus Sicht der inklusiven Jazz-Big Band „Groove Inclusion“

Der Große Auftritt Bild vergrößern (© Heiner Riesle) 23 MusikerInnen von Groove Inclusion, Sozialdezernentin Petra Bittinger, Stiftungsvorstand Karl-Otto Völker und Geschäftsführer der Sparkassenstiftung Dr. Timo John, bilden die Delegation des Rems-Murr-Kreises auf dem ersten Weltkongress für Menschen mit Behinderung in der Hauptstadt des Urals, Jekaterinburg, Russland.

Am 5. September um 3:00 Uhr Ortszeit traf Groove Inclusion ein und der Mittwoch, der 6. September, wurde für die Akklimatisierung in der drittgrößten Stadt Russlands dringend benötigt.

Auf dem Tagesprogramm stand Stadterkundung mit Besuch des neuen Boris Jelzin Zentrums. Der Konsul des deutschen Generalkonsulats, Ludwig Neudorfer, der im Übrigen auf dem Staufer-Gymnasium in Waiblingen seine ersten Russischkenntisse erwarb, begrüßte die Bandmitglieder mit einer Einladung zum Mittagessen.

Überall in der Stadt konnte man mittlerweile auf weitere teilnehmende Gruppen am Kongress treffen. Sie kommen aus Ostfildern, Ansbach, Basel, Flandern, Norwegen, Australien und der ganzen Welt. Am Donnerstagabend wurde mit Fahnen aller beteiligten Länder und Musik von Groove Inlcusion der Kongress eröffnet.

Eröffnung des ersten Weltkongresses für Menschen mit Behinderungen in Jekaterinburg, Russland, der Hauptstadt des Urals

Der Gouverneur des Gebiets Swerdlowsk, Evgeni Kuiwaschew, verlas zur Eröffnung eine Grußbotschaft des russischen Präsidenten. Wladimir Putin unterstrich darin die Bedeutung des Kongresses für die behinderten Menschen in Russland. Zur Eröffnung des Kongresses kamen Menschen aus der ganzen Welt. Die Feierlichkeit beeindruckte und berührte durch künstlerische Darbietungen aller Art. Der Bogen wurde gespannt von Akrobatik, Musik und Zauberei. Groove Inclusion, die Band der VHS Unteres Remstal, repräsentierte zusammen mit anderen Gruppen Deutschland vor der Welt.

Während des Kongresses standen zahlreiche Workshops und Auftritte auf dem Programm.

Wir sind ungewöhnlich aber gleich!

Ein Kongressteilnehmer aus Kirgisistan sagte auf dem Podium den bemerkenswerten Satz: Auch wenn ich keine Arme und Beine habe, bin ich glücklich. Ich bin glücklich, weil ich gehört und geliebt werde.

Die Initiatoren des Kongresses Thomas Kraus und Vera Simakova setzten sich nach ihren Kräften dafür ein, Möglichkeiten zu schaffen, damit sich Menschen mit Behinderungen über Kunst, Musik, Tanz und anderen kreativen Ausdrucksformen über Sprach- und kulturelle Grenzen hinweg in die Gesellschaft integrieren können. Jede teilnehmende Nation, von der Schweiz bis Neuseeland und von Waiblingen bis Taipeh präsentierte dafür ein Beispiel.

Über den Tag, den 8. September, fanden zahlreiche Workshops statt, in denen getanzt, gegroovt und diskutiert wurde. Eine kleine Delegation aus Waiblingen wurde vom deutschen Generalkonsul, Herrn Keil, zu einem kleinen Empfang eingeladen. Dabei betonte der Generalkonsul, dass er „Deutschland durch Groove Inclusion wunderbar vertreten fand“. Er sieht dabei ein Beispiel, wie unterschiedliche Gruppen in der deutschen Zivilgesellschaft gut miteinander klar kommen.

Am Abend wurden alle KongressteilnehmerInnen in die Philharmonie von Jekaterinburg zu einem großartigen Konzert eingeladen. Es gab begeisterten Applaus und der Tag fand einen gelungenen Abschluss.

Der große Auftritt: Groove Inclusion trat vor großem Publikum auf.

Am 3. Tag des Weltkongresses für Menschen mit Behinderung in Jekaterinburg war der Haupttag der künstlerischen Darbietungen. Wegen Regens musste die Veranstaltung vom Stadtpark in die Halle verlegt werden. Die russischen Gastgeber überzeugten mit ihrem Improvisationsgeschick. Immer wieder begegneten sich Menschen aus aller Herren Länder zum gemeinsamen Austausch. Adressen wurden getauscht und Groove Inclusion hat bereits zwei Einladungen zu Konzerten, eine nach Norwegen und eine nach Israel. Musik verbindet, das Konzert von Groove Inclusion wurde viel beklatscht und die Bandmitglieder wurden gleich von mehreren Zeitungen und Radiosendern interviewt.

Es war eine rauschende Ballnacht

Feierlich ging der erste Weltkongress der behinderten Menschen in Jekaterinburg zu Ende.

Beeindruckend war das Abschlussforum, das einen vielschichtigen Überblick über Inklusionsprojekte in der ganzen Welt gab. Die Kongressresolution weist darauf hin, wie wichtig weltweit die Einbeziehung von Menschen mit Einschränkungen in gesellschaftliche Prozesse ist.

Immer wieder wurden Mitglieder von Groove Inclusion von begeisterten Kongressteilnehmern auf die wunderbare Musik und die Energie angesprochen, die bei den Auftritten der Band zu merken war. Verwundert war man stets, dass bei Groove Inclusion kein spezielles Konzept zugrunde liegt, sondern sich die 27 Bandmitglieder, von denen 15 behindert sind, lediglich zum Musikmachen treffen und Freude daran haben miteinander zu spielen und aufzutreten. Das ist gerade das Besondere an der Band.

Es hat bereits mehrere Anfragen für weitere Auftritte gegeben. In den letzten fünf Tagen mussten immer wieder Autogramme gegeben werden und zahlreiche Selfies wurden geschossen. Die Stimmung auf dem Kongress war die ganze Zeit über fröhlich und harmonisch. Der letzte Höhepunkt war der Abschlussball, bei dem ein klassisches Orchester zu Polka, Polonaise und Walzer aufspielte, wozu ausgelassen getanzt wurde. Bei der bandeigenen Schlussauswertung nachts im Hotel waren sich die Bandmitglieder und ihre drei BegleiterInnen aus dem Landratsamt und der Kreissparkassenstiftung darüber einig: Der Kongress war ein besonderes Ereignis und der Spirit von Groove Inclusion aus dem Rems-Murr-Kreis wurde in die Welt hinausgetragen und inclusive Grüße aus Jekaterinburg - Russland gehen zurück nach Waiblingen - Germany. Selten erlebte man so viele glückliche und fröhliche Menschen beieinander.