Familienzusammenführung zu anderen Familienangehörigen

Das deutsche Recht sieht Familiennachzug nur vor

  • zu Ehegatten
  • minderjähriger Kinder zu den Eltern sowie
  • Eltern zu ihren minderjährigen deutschen Kindern.

Andere Fälle sind nicht vorgesehen. 

Ausnahmen werden geregelt durch § 36 AufenthG:
"(2) Sonstigen Familienangehörigen eines Ausländers kann zum Familiennachzug eine Aufenthaltserlaubnis erteilt werden, wenn es zur Vermeidung einer außergewöhnlichen Härte erforderlich ist. ... "

Wie solche Situationen einzuschätzen sind, wird den Behörden durch die Allgemeine Verwaltungsvorschrift zum AufenthG vorgeschrieben:

"36.2.2.2 Härtefallbegründend sind danach solche Umstände, aus denen sich ergibt, dass entweder der im Bundesgebiet lebende oder der nachzugswillige Familienangehörige auf die familiäre Lebenshilfe angewiesen ist, die sich nur im Bundesgebiet erbringen lässt (z. B. infolge einer besonderen Betreuungsbedürftigkeit). ...
36.2.2.3 Umstände, die ein familiäres Angewiesensein begründen, können sich nur aus individuellen Besonderheiten des Einzelfalls ergeben (z. B. Krankheit, Behinderung, Pflegebedürftigkeit, psychische Not). Umstände, die sich aus den allgemeinen Lebensverhältnissen im Herkunftsland des nachziehenden Familienangehörigen ergeben, können
insoweit nicht berücksichtigt werden.
..."

Aus dem Urteil des Bundesverwaltungsgericht 10 C 10.12 vom 18.04.2013 (RN 37..39) folgt:

Die Vermeidung einer außergewöhnlichen Härte setzt  voraus, dass der im Ausland lebende Familienangehörige kein eigenständiges Leben mehr führen kann, sondern auf die Gewährung familiärer Lebenshilfe angewiesen ist und diese Hilfe in zumutbarer Weise nur in Deutschland erbracht werden kann.
...
Die Erteilung eines Visums zum Familiennachzug wegen Pflegebedürftigkeit setzt die spezifische Angewiesenheit auf familiäre Hilfe voraus. Das ist nicht bei jedem Betreuungsbedarf der Fall, sondern kann nur dann in Betracht kommen, wenn die geleistete Nachbarschaftshilfe oder im Herkunftsland angebotener professioneller pflegerischer Beistand den Bedürfnissen des Nachzugswilligen qualitativ nicht gerecht werden können.
...
Bei der umfassenden Betrachtung aller Umstände des Einzelfalles sind sowohl der Grad des Autonomieverlusts des nachzugswilligen Ausländers als auch das Gewicht der familiären Bindungen zu den in Deutschland lebenden Familienangehörigen und deren Bereitschaft und Fähigkeit zur Übernahme der familiären Pflege zu berücksichtigen. 

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Die Bearbeitung solcher Anträge ist erfahrungsgemäß sehr langwierig.
Bitte beachten Sie, dass während der Bearbeitungszeit eines solchen Antrags i.d.R. keine Visa zu Besuchszwecken erteilt werden können.

Zur Beantragung eines solchen Visums benötigen Sie:

  • Verwandtschaftsnachweise - i.d.R. durch Geburtsurkunden
  • eine formlose Einladung des in Deutschland lebenden Verwandten zur gemeinsamen Wohnsitznahme in Deutschland mit Kostenübernahme,
  • Kopie des Reisepasses (bzw. deutschen Personalausweises) des in Deutschland lebenden Verwandten sowie ggf. Kopie des Aufenthaltstitels.
  • eine ausführliche Darstellung der außergewöhnlichen Härtesituation:
    * Informationen zu Autonomieverlust und Pflegebedürftigkeit,
    * Möglichkeiten der Pflege im Heimatland,
    * Möglichkeiten der Pflege bei den Familienangehörigen.

Bitte beachten Sie, dass für die Entscheidung über den Antrag eine Stellungnahme des Regionalarztes der Deutschen Botschaft in Moskau erforderlich sein kann.
Ist eine dazu eine Untersuchung erforderlich, erhalten Sie nähere Informationen von der Visastelle. Die Untersuchung ist kostenpflichtig.

Ausländische öffentliche Urkunden...

... müssen grundsätzlich mit Apostillen versehen sein. Das gilt für öffentliche Urkunden aller Staaten außer Deutschland.

Alle oben genannten Dokumente ...

... müssen in deutscher Sprache ausgestellt sein oder zusammen mit einer beglaubigten Übersetzung ins Deutsche vorgelegt werden (§ 23 VwVfG).

Legen Sie bitte jedes Dokument, einschließlich Übersetzung, im Original mit zwei vollständigen, unbeglaubigten Kopien vor.

Die hier aufgeführten Dokumente sind Mindestvoraussetzungen, die für die Antragsannahme erforderlich und im Regelfall für eine Entscheidung über Ihren Antrag ausreichend sind.

Wenn es erforderlich ist, kann die Visastelle jederzeit die Vorlage zusätzlicher Unterlagen verlangen.

Außerdem sind erforderlich

Reisepass • Inlandspass • zwei Antragsformulare • drei Passfotos ...

Visumanträge können nur dann angenommen und bearbeitet werden,

wenn die Antragsformulare vollständig ausgefüllt, sämtliche Unterlagen beigefügt sind und vom Antragsteller vorgelegt werden.

Unvollständige Anträge werden nicht angenommen und es muss ein neuer Termin gebucht werden.

Vorab unaufgefordert oder separat per Fax/per Post an das Generalkonsulat übermittelte Unterlagen können bei der Visumbeantragung nicht berücksichtigt werden.