Außenminister Gabriel und Botschafter von Fritsch zum Tod des russischen Menschenrechtlers Arseni Roginski

18.12.2017

Außenminister Sigmar Gabriel erklärte heute (18.12.) zum Tod des russischen Menschenrechtlers und Trägers des Bundesverdienstkreuzes Arseni Roginski:

Die Nachricht vom Tod von Arseni Roginski erfüllt mich mit Trauer. Arseni Roginksi verkörpert wie kaum ein anderer die Vergangenheit und Gegenwart der russischen Bürgerbewegung. Er war ein politischer Intellektueller, ausgewiesener Historiker und passionierter Menschenrechtler, der sein Lebenswerk dem Kampf für Pluralismus und gegen die Gefahren des Nationalismus gewidmet hat – beides Ziele, die in unseren heutigen Gesellschaften nichts an Dringlichkeit eingebüßt haben.

 Als Gründungsmitglied der Gesellschaft Memorial, die sich für Menschenrechte und Aufarbeitung der Geschichte des Stalinismus einsetzt, hat Arseni Roginski nicht nur ein europäisches Netzwerk unabhängiger Geschichtsaufarbeitung ausgebaut, sondern auch einen wesentlichen Beitrag zur Vertiefung der deutsch-russischen zivilgesellschaftlichen Beziehungen geleistet. Dafür wurde ihm 2010 das Bundesverdienstkreuz verliehen.  Seine Herzlichkeit, seine Ironie und seine Bescheidenheit werden allen, die ihn persönlich kannten, in Erinnerung bleiben.

Die Bundesregierung wird auch weiterhin Memorial und anderen Menschenrechtsorganisationen zur Seite stehen, die sich wie Arseni Roginski dafür einsetzen, dass die Anliegen von Verfolgten und Benachteiligten Gehör finden.

Botschafter von Fritsch zum Tode von Arseni Roginski: „Russlands Zivilgesellschaft hat eine große Persönlichkeit verloren.“

Mit vielen Menschen in Deutschland und in Russland trauere ich um Arseni Roginski. Russlands Zivilgesellschaft hat eine große, beeindruckende Persönlichkeit verloren. In der von ihm mitbegründeten Gesellschaft Memorial hat er sich fast 30 Jahre lang passioniert für Menschenrechte und die Aufarbeitung der Geschichte des Stalinismus eingesetzt.

Widrigkeiten haben ihn nicht aufhalten können, seinen Überzeugungen und Grundsätzen treu zu bleibe - weder eine mehrjährige Haft als politischer Häftling in den 1980er Jahren, noch die Listung des Dachverbands von Memorial als „ausländischer Agent“. Stets hat er seinen Kampf für Wahrheit, vorurteilsfreie Aufklärung und Erinnerung fortgesetzt und damit auch einen ganz wichtigen Beitrag zur Vertiefung der deutsch-russischen zivilgesellschaftlichen Beziehungen und zur Verständigung und Versöhnung der Menschen in unseren Ländern geleistet.

Arseni Roginskis Herzlichkeit, seine augenzwinkernde, charmante Ironie und seine Bescheidenheit werden allen, die ihn persönlich kannten, in Erinnerung bleiben. Wieviel  habe ich gewonnen, wieviel wird mir bleiben, aus den guten Begegnungen, die ich mit ihm gehabt habe! Seinen Angehörigen gilt meine tief empfundene Anteilnahme.

© Auswärtiges Amt

Außenminister Gabriel zum Tod des Menschenrechtlers Roginski

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