In Moskau wurde der deutsche Merck-Übersetzerpreis 2016 verliehen

29.09.2016

In der Residenz des Botschafters der Bundesrepublik Deutschland fand die erste feierliche Verleihung des deutschen Merck-Übersetzerpreises statt, der gemeinsam vom Goethe-Institut Moskau, dem in Russland führenden Wissenschafts- und Technologieunternehmen Merck und der Deutschen Botschaft in Moskau verliehen wird.

Merck-Gruppe Bild vergrößern (© Merck-Gruppe) Ausgezeichnet wurden im Jahr 2016 die besten Übersetzungen deutschsprachiger Werke ins Russische, die in den letzten zwei Jahren (in den Jahren 2014−2015) in einem russischen Buch- oder Zeitschriftenverlag erschienen sind. Die Preise für die Gewinner sind mit € 4.000 dotiert.

Die Jury setzte sich aus bekannten russischen Übersetzern und Schriftstellern zusammen, darunter: Irina Alexejeva, Leiterin der „Hochschule für Übersetzung“ (gemeinsames Projekt des russischen Außenministeriums, des UNO-Sekretariats, der EU-Kommission und der Russischen Staatlichen Pädagogischen Herzen-Universität), Svjatoslaw Gorodezki, russischer Dichter und Dramatiker, der auch als Übersetzer von Werken Berthold Brechts, Peter Stamms und vieler anderer Autoren bekannt ist, sowie Jelisaveta Sokolova, wissenschaftliche Mitarbeiterin beim Institut für wissenschaftliche Informationen in den Sozialwissenschaften (Russische Akademie der Wissenschaften) und Übersetzerin deutschsprachiger Werke, darunter Prosa von Thomas Mann, Gedichte von Ingeborg Bachmann, von Gottfried Benn und anderen.

In der Kategorie „Belletristik“ erhielt Vladislava Agafonova einen Preis für die Übersetzung von Ilma Rakusas Memoiren „Mehr Meer. Erinnerungspassagen“. Von Agafonova sind bereits einige russische Übersetzungen bekannter Werke erschienen, darunter von Autoren wie Tomas Venclova, Ingrid Noll, Christine Eichel, Leoni Swann, Tommy Jaud, Volker Braun und Karl Lubomirski. Vladislava Agafonowa ist es gelungen, die unverwechselbare Atmosphäre dichterischen Schaffens in ihrer Übersetzung wiederzugeben.

In der Kategorie „populärwissenschaftliches Sachbuch“ wurde die Arbeit Kirill Levinsons – die Übersetzung des Lexikons „Geschichtliche Grundbegriffe. Historisches Lexikon zur politisch-sozialen Sprache in Deutschland“ ausgezeichnet. Levinson ist nicht nur Übersetzer, sondern auch ausgebildeter Historiker, der auf die Geschichte Deutschlands spezialisiert ist. Unter seinen Übersetzungen finden sich Arbeiten in den Bereichen Geschichte und Kultur, die es dem russischen Leser ermöglichen, die Eigenheiten des historischen Weges und die Besonderheiten der heutigen Entwicklung des Landes zu verstehen.

In der Kategorie „Kinder- und Jugendbuch“ wurde Alexandra Gorbovas Übersetzung des Romans „Tschick“ von Wolfgang Herrndorf als beste Übersetzung geehrt. Das Buch wurde neben dem Russischen in 24 Sprachen übersetzt, erzählt aus dem Leben von Jugendlichen, die aus Familien mit unterschiedlichen soziokulturellen Wurzeln stammen, und hilft dabei, den Dialog zwischen Generationen aufzubauen, während es stereotypem Denken trotzt. Gorbova ist ausgebildete Linguistin und Redakteurin und arbeitet mit einer Reihe führender russischer Verlagshäuser zusammen. Ihre literarischen Interessen sind sehr breit aufgestellt – von Science Fiction, über Biografien bis hin zu Theaterstücken. Am wichtigsten ist für Gorbova allerdings nach eigenen Angaben die Kinder- und Jugendliteratur.

Merck-Gruppe Bild vergrößern (© Merck-Gruppe) Der Botschafter der Bundesrepublik Deutschland, Rüdiger von Fritsch sagte bei der Eröffnung der Verleihung: „Viele Übersetzer sehen sich –mit Recht - als Vertreter der ‚Kulturdiplomatie‘. Der Zugang zur Literatur einer anderen Sprache und Kultur eröffnet nicht nur neue Entdeckungen. Er ermöglicht auch eine tiefere Kenntnis und Wahrnehmung der Welt. Dies ist insbesondere in kritischen Situationen für einen offenen und konstruktiven Dialog zwischen den Menschen über sichtbare und unsichtbare Grenzten hinweg entscheidend. Die Förderung der beiden Partnersprachen ist uns daher auch ein besonderes Anliegen, beispielsweise im Rahmen des Deutsch-Russischen Jahres des Jugendaustausches 2016/17. Eine entscheidende Rolle spielt dabei die Begeisterung für die deutsche und die russische Literatur und Kultur. Daher schätzen wir den Merck-Übersetzerpreis nicht nur als Würdigung der exzellenten Qualität erfahrener Übersetzer, sondern auch als Ansporn für die nachwachsende Generation von Übersetzern und Germanisten, die unsere beiden Länder als Kulturbotschafter so sehr brauchen.“

In seiner Ansprache sagte Johannes Baillou, Vorsitzender des Vorsitzender des Gesellschafterrates von E.Merck KG В: „Die Förderung von Kultur ist ein integraler Bestandteil der Tätigkeit des Unternehmens Merck. Kultur – beispielsweise Musik und Literatur – berührt alle Menschen und fungiert als Bindeglied zwischen allen Völkern, was für international tätige Unternehmen besonders wichtig ist. Es ist gerade die Kultur, die einen großen Beitrag dazu leistet, Beziehungen aufrechtzuerhalten und gegenseitiges Verständnis zu erzielen. An dieser Stelle möchte ich betonen, welch wichtige Rolle kulturelle Beziehungen bei der Förderung der Zusammenarbeit zwischen Russland und Deutschland spielen. Der Merck-Übersetzerpreis erfüllt diese Aufgabe hervorragend.“

Der Leiter des Goethe-Institutes in Moskau, Dr. Rüdiger Bolz, betonte in seiner Ansprache: „Dem Leser Zugang zur Welt des literarischen Werkes zu verschaffen und in der Übersetzung die Schönheit und Einzigartigkeit dieser Welt wiederzugeben – das ist eine der interessantesten, schwierigsten und mühevollsten Aufgaben. Übersetzen heißt: jemanden in längst vergangene Zeiten und zu entfernten Kontinenten mitzunehmen, ihn mit anderen Menschen, mit ihm fremden Gewohnheiten und Traditionen bekanntzumachen – das ist eine besondere humanistische Mission. Für das Goethe-Institut ist die Teilhabe an diesem Prozess eine einzigartige Möglichkeit, den interkulturellen Dialog über die ganze Welt hinweg zu führen und das nun schon seit über 60 Jahren.“

Das Goethe-Institut unterstützt seit über 40 Jahren die Übersetzung deutschsprachiger Werke in andere Sprachen auf der ganzen Welt, indem es einen großen Leser- und Expertenkreis mit modernen in Deutschland verlegten belletristischen Werken, Kinder- und Jugendbüchern sowie populärwissenschaftlichen Sachbüchern vertraut macht. In diesen 40 Jahren sind mehr als 6.000 Bücher in 45 Sprachen erschienen. Im Jahr 2014 hat das Goethe-Institut im Rahmen des Jahres der deutschen Sprache und Literatur in Russland erstmalig einen Übersetzerpreis in Moskau verliehen. 2016 konnten dank der Kooperation mit dem Unternehmen Merck Übersetzerinnen und Übersetzer in drei Kategorien mit dem Deutschen Übersetzerpreis ausgezeichnet werden.

Jürgen König, Präsident und Generaldirektor von Merck Russia sagte während seiner Ansprache zur Verleihung: “Als Wissenschafts- und Technologieunternehmen unterstützt Merck stets Innovation und kreatives Schaffen, fördert Bildungs- und Kulturinitiativen in Russland, die eine wichtige Rolle bei der Stärkung der Zusammenarbeit zwischen Russland und Deutschland spielen. Der Merck-Übersetzerpreis hilft dabei, einen großen Kreis russischer Leser mit moderner deutscher Literatur vertraut zu machen und so das gesellschaftliche Leben in Deutschland näherzubringen. Eine andere, aber nicht weniger wichtige Aufgabe des Wettbewerbs ist die Unterstützung von Übersetzern aus Russland, die daran interessiert sind, in die Literaturwelt unseres Landes einzutauchen, wodurch sie zu Botschaftern der kulturellen Zusammenarbeit zwischen unseren Ländern werden.“

Der Merck-Übersetzerpreis ist Teil einer weltweiten Initiative des Unternehmens, die darauf ausgerichtet ist, den Bereich der Literatur, talentierte Autoren und die internationale kulturelle Zusammenarbeit insgesamt zu unterstützen. So werden die Merck-Literaturübersetzerpreise in Ländern wie Indien (Rabindranath-Tagore-Preis), Japan (Merck-Kakehashi-Preis), Deutschland (Johann-Heinrich-Merck-Preis für literarische Kritik und Essay) und Italien (Premio Letterario) verliehen. Die Preise ermöglichen es, mit vereinten Kräften Wissenschaft und Literatur zu unterstützen.


Über Merck

Merck ist ein führendes Wissenschafts- und Technologieunternehmen in den Bereichen Healthcare, Life Science und Performance Materials. Rund 50.000 Mitarbeiter arbeiten daran, Technologien weiterzuentwickeln, die das Leben bereichern – von biopharmazeutischen Therapien zur Behandlung von Krebs oder Multipler Sklerose über wegweisende Systeme für die wissenschaftliche Forschung und Produktion bis hin zu Flüssigkristallen für Smartphones oder LCD-Fernseher. 2015 erwirtschaftete Merck in 66 Ländern einen Umsatz von 12,85 Milliarden Euro.
Gegründet 1668 ist Merck das älteste pharmazeutisch-chemische Unternehmen der Welt. Die Gründerfamilie ist bis heute Mehrheitseigentümerin des börsennotierten Konzerns. Merck mit Sitz in Darmstadt besitzt die globalen Rechte am Namen und der Marke Merck. Einzige Ausnahmen sind die USA und Kanada, wo das Unternehmen als EMD Serono, MilliporeSigma und EMD Performance Materials auftritt. Weitere Informationen unter www.merckgroup.com

Über das Goethe-Institut
Das Goethe-Institut ist das weltweit tätige Kulturinstitut der Bundesrepublik Deutschland, dessen Vertretungen in 98 Ländern auf der ganzen Welt tätig sind. Die Arbeit der mehr als 35.000 Mitarbeiter des Goethe-Institutes ist darauf ausgerichtet, die Kenntnis der deutschen Sprache im Ausland zu fördern und die internationale Zusammenarbeit im Bereich der Kultur auszubauen. Die Kultur- und Bildungsprogramme fördern den interkulturellen Dialog, stärken den Ausbau zivilgesellschaftlicher Strukturen und fördern weltweite Mobilität.
Seit über sechzig Jahren arbeiten die Vertretungen des Goethe-Institutes im Ausland mit einem Netzwerk aus Kulturzentren und -gesellschaften, Lesesälen und Sprachlernzentren zusammen. Als eigenverantwortliche und parteipolitisch ungebundene Organisation ist das Goethe-Institut ein Partner für all diejenigen, die die deutsche Sprache lernen und sich für die Geschichte und Kultur Deutschlands interessieren. Weitere Informationen unter www.goethe.de/russland

© Deutsche Botschaft Moskau

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