11. Festival des deutschen Films

Vom 4. Bis zum 7. Dezember fand im Kino "Avrora" zum 11. Mal das Festival des deutschen Films statt. Gezeigt wurden einige der besten Filme der letzten Jahre. Viele der Filme haben Auszeichnungen auf bedeutenden Filmfestivals gewonnen und Publikum wie Filmkritik gleichermaßen überzeugt. Im russischen Verleih ist bisher keiner der Filme gelaufen, so dass jede Vorführung eine Petersburg-Premiere war. Im Programm - Filme verschiedener Genres: historische und zeitgenössische Dramen, Familien- und Dokumentarfilme, Kurzfilme, Musikvideos sowie eine 'Schwarze Komödie'. Im Fokus der Retrospektive stand Deutschland - seine Vergangenheit und Gegenwart, seine Probleme und Leistungen, seine Traditionen und natürlich seine Kultur.


Donnerstag, 4. Dezembe Bild vergrößern
18.30 Festivaleröffnung. Die geliebten Schwestern / 16+
Gast: Schauspielerin Henriette Confurius

(Deutschland / Österreich, 2012-2014, Drama, 140’; Regie: Dominik Graf). Sommer 1788 in Rudolstadt. Der aufrührerische Dichter Friedrich Schiller und zwei mittellose Schwestern aus dem thüringischen Adel verbringen eine unvergessliche Zeit, die sie für immer aneinander binden wird. Dominik Graf stellt in seinem ersten abendfüllenden Kinofilm seit acht Jahren nicht den wilden Starautor Friedrich Schiller in den Mittelpunkt, sondern die ewig aktuelle Frage: Kann man eine ungewöhnliche Liebe leben? Das kulturelle Zentrum Weimar, die Entwicklung des Buchdrucks und die Französische Revolution liefern den Hintergrund zu der leidenschaftlichen Liebesgeschichte. Ein Film mit heller, leichter Kamera, nah an seinen Figuren, modern im Denken, Handeln und Fühlen.

Freitag, 5. Dezember
19.00 Kreuzweg / 12+ Bild vergrößern (Deutschland, 2013-2014, Drama, 110’; Regie: Dietrich Brüggemann). Die junge Maria lebt zwischen zwei Welten. In der Schule ist sie das 14-jährige Mädchen mit den typischen Interessen eines Teenagers. Zu Hause, in ihrer Familie, folgt sie den Lehren der Priesterbruderschaft Pius XII. und deren traditionalistischer Auslegung des Katholizismus. Während Marias Mutter ihre Tochter mit harter Hand auf den Weg des Glaubens zwingt, schweigt der Vater meist und schaut in kritischen Momenten tatenlos zu. Als es zu Auseinandersetzungen mit Lehrern und Ärzten kommt, verstärken sich die Konflikte. Dietrich Brüggemann entfaltet das Seelenleiden seiner jungen Protagonistin in den 14 Bildern des Kreuzwegs – von "Jesus wird zum Tode verurteilt" bis "Der heilige Leichnam Jesu wird ins Grab gelegt".


Freitag 5. Dezember 21.10 Bild vergrößern

Finsterworld / 16+
(Deutschland, 2012-2013, Drama, 95’; Regie: Frauke Finsterwalder). In einer Mischung aus satirischem, märchenhaftem und surrealem Tonfall erzählt der Film in miteinander verwobenen Episoden von Menschen unterschiedlicher Generationen, die mit den Widrigkeiten des Lebens umzugehen versuchen. Da gibt es den Schüler Dominik, der aus Liebeskummer während einer Klassenreise zu einer KZ-Gedenkstätte ausreißt, die Seniorin Frau Sandberg, die eine tiefe Abneigung gegen deutsches Liedgut hat, einen Einsiedler, der in einer verletzten Krähe einen Freund findet, den Polizisten Tom, der gerne in Tierkostümen herumläuft oder die Dokumentarfilmerin Franziska, deren Film über einen arbeitslosen Plattenbaubewohner trotz aller Ambitionen trivial ausfällt. Durch diese und zahlreiche weitere Figuren versucht der Film, ein humorvoll-abgründiges Porträt zeitgenössischer deutscher Befindlichkeiten zu zeichnen. 


Samstag, 6. Dezember
14.00 Ostwind / 0+
Gast: Schauspielerin Hanna Binke

(Deutschland, 2013, Familienfilm, 106’; Regie: Katja von Garnier). Nachdem die 14-jährige Mika die Versetzung in die nächste Klasse nicht geschafft hat, fällt der ersehnte Sommerurlaub im Ferienlager ins Wasser. Stattdessen wird sie von ihren Eltern auf das Gestüt ihrer Großmutter geschickt: Unter der Aufsicht der strengen alten Dame soll sie die Ferien mit Lernen verbringen. Ganz so schlimm wie befürchtet ist es auf dem Reiterhof allerdings doch nicht. Da wäre zum einen der sympathische Stallbursche Sam, der durchaus Gefallen an dem Sommergast zu finden scheint; und dann ist da noch ein wilder und scheuer Hengst namens "Ostwind", der Mikas Neugierde weckt. Bislang war niemand in der Lage, das Tier zu zähmen. Doch zwischen Mika und Ostwind entwickelt sich auf Anhieb eine ungewöhnliche Freundschaft. Das Mädchen entdeckt an sich die Begabung, mit Pferden zu sprechen. Sollte Mika in der Lage sein, den Grund für das unberechenbare Temperament des Hengstes herauszufinden? 

Samstag, 6. Dezember

16.20 Die Frau des Polizisten / 18+
Gäste: Schauspieler Alexandra Finder und David Zimmerschied

(Deutschland, 2013, Drama, 175’; Regie: Philip Gröning). Das junge Paar Uwe und Christine zieht mit seiner vierjährigen Tochter Clara in ein altes Backsteinhaus in einer Kleinstadt. Das Familienglück scheint perfekt, doch Uwe hat als Polizist im Schichtdienst nur wenig Zeit für Frau und Kind; hinzu kommen Extradienste, mit denen er sein schmales Gehalt aufbessert und seine Karriere vorantreiben will. Christine kümmert sich derweil um den Haushalt und verbringt viel Zeit mit ihrer Tochter. Sie fühlt sich einsam und von Uwe zusehends allein gelassen. Auch Uwe macht die Situation zu schaffen. Bei ihm aber entlädt die Anspannung sich in Eifersucht – und immer häufiger auch in körperlicher Gewalt.

Samstag 6. Dezember 20.00
Kathedralen der Kultur /6+

(Deutschland - Dänemark - Österreich - Norwegen - Frankreich - Japan, 2013/2014, Dokumentation, 162’; Regie:Wim Wenders, Michael Glawogger, Michael Madsen, Robert Redford, Margreth Olin, Karim Aïnouz). Wenn Gebäude sprechen könnten, was würden sie uns erzählen? "Kathedralen der Kultur" bietet überraschende Antworten auf diese Frage. Das 3-D-Filmprojekt über die Seele von Bauwerken lässt sechs sehr unterschiedliche Architekturikonen für sich selbst sprechen und erkundet, wie sie unsere Kultur reflektieren und unser kollektives Gedächtnis bewahren. Sechs renommierte Filmemacher bringen ihren eigenen Stil und ihre unverwechselbare Handschrift in das Projekt ein. Sie zeigen uns, dass die Bauwerke physische Manifestationen unseres Denkens und Handelns sind: die Berliner Philharmonie, eine Ikone der Moderne; die Russische Nationalbibliothek, ein Reich der Gedanken; das Halden Gefängnis, das humanste Gefängnis weltweit; das Salk Institute, ein Kloster für die Wissenschaft an der kalifornischen Küste; das Oslo Opernhaus, eine futuristische Symbiose von Leben und Kunst; das Centre Pompidou, eine moderne Kulturmaschine.

20:30 Kleiner Saal: Next Generation Short Tiger / 16+

Das Kurzfilmprogramm zeigt Produktionen junger Absolventen deutscher Filmhochschulen und läuft jährlich auf dem Internationalen Filmfestival in Cannes.

Sonntag, 7. Dezember
14.30 Anderswo / 16+

(Deutschland, 2014, Drama, 87’; Regie: Ester Amrami). Vor etlichen Jahren hat Noa Israel verlassen und ist nach Berlin gezogen. Damals gab sie dem Fernweh nach, genoss den frischen Wind anderswo, liebte das Gefühl mit sich selbst fremdzugehen, studierte. Doch seit einiger Zeit arbeitet etwas in ihr. Sie fühlt sich unverstanden und isoliert. Als man ihr dann auch noch das Stipendium für ihr großes Projekt eines Wörterbuchs unübersetzbarer Wörter verweigert und ihr Freund Jörg sich für ein Engagement in Stuttgart bewirbt, fliegt sie spontan nach Israel. Zu Hause, Sonne, Familie, Muttersprache. Noa ist wild entschlossen, dass ihr dieser Besuch so richtig gut tun soll! Doch schneller, als ihr lieb ist, stellt sich auch in Israel wieder Alltag ein. Konflikte von früher kochen hoch und neue kommen hinzu. Die alte Heimat fühlt sich auf einmal genauso an, wie die Stadt, aus der sie geflohen ist. Dann taucht auch noch Jörg unerwartet in Israel auf – ausgerechnet am nationalen Gedenktag. Noas säuberlich getrennte Lebenswelten prallen ungebremst aufeinander. Ein komisches Drama über Menschen, die versuchen, mit sich selbst und den anderen ins Reine zu kommen. Hier, anderswo, überall.

Sonntag, 7. Dezembe Bild vergrößern

16.10 Deine Schönheit ist nichts wert / 12+

(Österreich, 2012, Drama, 86’; Regie: Hüseyin Tabak). Ausgerechnet den komplizierten poetischen Text eines berühmten türkischen Dichters will der 12-jährige Veysel übersetzen und vortragen, um seine Lehrerin und seine Mitschülerin Ana zu beeindrucken. Doch weder er noch seine Familie sprechen Deutsch und Freunde hat Veysel nicht. Schließlich bittet er seinen Macho-Nachbarn um Hilfe. "Deine Schönheit ist nichts wert" ist ein oft trauriger, aber kraftvoller Film, langsam und mit eindringlichen Bildern aus der Perspektive Veysels erzählt. Wer Veysels Schicksal verfolgt, bekommt ein Gefühl dafür, wie es ist, plötzlich ganz auf sich gestellt in einer fremden Kultur Fuß fassen zu müssen. Gast des Abends: Regisseur Hüseyin Tabak.

Sonntag, 7. Dezember
18.30 Abschlussfilm: Westen / 12+
Gast: Schauspieler Alexander Scheer Bild vergrößern (Deutschland, 2013, Drama, 102’; Regie: Christian Schwochow). Zwei Koffer und ein Kuscheltier – das ist alles, was Nelly und ihr Sohn Alexej mitnehmen in das neue Leben im Westen. Ein Volkswagen hält vor ihrem Haus in Ost-Berlin. Ein Westdeutscher bringt sie über die Grenze. Nelly gibt vor, ihn zu heiraten. Sie ist nervös. Es ist Sommer, Ende der 1970er-Jahre – drei Jahre nach Wassilijs Tod. Nellys Freund starb bei einem Autounfall. Seitdem will auch Nelly gehen. Raus aus der DDR, um die Erinnerungen und die Trauer hinter sich zu lassen. Um neu anzufangen. Auf der anderen Seite der Mauer geht das, denkt Nelly. Bei der Ausreise trägt sie ein Blumenkleid. Doch drüben im Westen kennt sie niemanden. Das enge Notaufnahmelager in West-Berlin ist ihre einzige Anlaufstelle, aber auch der Ort, wo die Alliierten Geheimdienste sie nun durchleuchten und ihre eigene Geschichte sie mit voller Kraft einholt. Nelly muss sich entscheiden, wie viel Raum sie der Vergangenheit gibt – denn sie hätte die Macht, ihre Zukunftsträume zu zerstören. Gast des Abends: 


20.30 Kleiner Saal: Next Generation Short Tiger/ 16+

Das Kurzfilmprogramm zeigt Produktionen junger Absolventen deutscher Filmhochschulen und läuft jährlich auf dem Internationalen Filmfestival in Cannes.


21.20 Zeit der Kannibalen / 16+

Ist entgegen seinem Titel kein Thriller und kein Horrorfilm, sondern eine Groteske aus der Welt der Unternehmensberater. Bitterböse Gesellschaftskritik als Kammerspiel mit drei hervorragenden Schauspielern...

GI-Filmfest 2014

Wichtiger Hinweis:

Alle Filme werden in Originalsprache mit russischen Untertiteln gezeigt.
Karten, die vom 20. November bis zum 3. Dezember gekauft werden, kosten 150 Rubel. Für Karten, die vom 4. bis zum 7. Dezember gekauft werden, beträgt der Preis 250 Rubel.

Kino "Avrora", Newski Prospekt 60

Mehr Infos zum Filmfest erteilt auch das Goethe-Institut, Tel.: 363 11 25