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26.02.2017 23:47

„Ick bin ein Berliner“

Montag, Februar 27, 2017 - 00:47
Berliner, Kreppel, Krapfen, Pfannkuchen – es gibt viele Namen für das leckere Hefegebäck. Zum Karneval hat es seinen großen Auftritt.

Dieses süße runde Ding, eine in siedendem Fett ausgebackene, faustgroße Hefekugel mit einer Füllung aus Konfitüre, hat alle Jahre wieder etwas Außerordentliches anzukündigen. Sobald es in Deutschland in den Schaufenstern der Bäckereien und in den Supermarktregalen auftaucht, weiß jeder: Es ist wieder soweit. Wir befinden uns auf dem Höhepunkt des Karneval, in der für viele schönsten, der so genannten „fünften Jahreszeit“. Sie findet so ungefähr zwischen Winter und Frühling statt, weit entfernt von Sommer und Herbst und dauert bloß ein paar Tage. Aber dafür geht es so hoch her, wie im ganzen Rest des Jahres nicht. Man verkleidet sich, feiert, schunkelt, trinkt. Und immer und überall ist das runde Hefegebäck, außen schön gezuckert, als kulinarischer Escortservice dabei. Allerdings unter verschiedenen Namen. Denn wie das Event, das er begleitet und das je nach Region auch Karneval, Fasching oder Fassnacht heißt, herrscht auch bei der Hefekugel sprachliche Zwergstaaterei.

Manchmal nur Senf statt Marmelade

In Berlin heißt das Gebäck Pfannkuchen oder Berliner, in Ostdeutschland nur Pfannkuchen, in Hessen, Rheinhessen und Westthüringen Kreppel, im Süden Krapfen. Auch die Füllungen variieren. Im Norden nimmt man rote Konfitüre, im Süden eher Aprikose, im Osten wird Pflaumenmus bevorzugt, in Baden, Schwaben und Franken auch mal Hagebuttenmark. Es gibt Gourmet-Versionen mit Champagnercreme. Und es gibt solche für Scherzkekse – dann kommt zur bösen Überraschung des Essers und zum allgemeinen Vergnügen der Eingeweihten Senf hinein. Ist ja Karneval, da MUSS Spaß sein. Zumal man danach nicht mehr viel zu lachen hat. Denn dann beginnt für Christen die Fastenzeit, die bist Ostern dauert. Deshalb war der Kreppel in seinen Anfängen auch als letzte Gelegenheit gedacht, es kalorisch noch einmal richtig krachen zu lassen.  

Verheerungen in der Küche und auf den Hüften

Im Mittelalter sollen Mönche empfohlen haben, sich vor Beginn der Fastenzeit mit dem Gebäck zu stärken. Damals war es allerdings noch nicht rund und wurde im Ofen gebacken. Das änderte sich laut einer Legende, als 1756 ein Berliner Zuckerbäcker als Kanonier bei Friedrich dem Großen dienen wollte, sich aber als wehruntauglich erwies. Wenigstens durfte er Feldbäcker beim Regiment werden. Zum Dank soll er den Hefeteigstücken die Form von Kanonenkugeln gegeben und sie mangels Backofen erstmals im heißen Fettbad zubereitet haben. Seitdem werden Krapfen in siedendem Öl frittiert und haben vermutlich ähnlich viele Wohnungsbrände auf dem Gewissen wie der Weihnachtsbaum mit Echtkerzen. Ganz zu schweigen von den Verheerungen, die sie auf den Hüften anrichten können. Schließlich schwankt der Kaloriengehalt des Pfannkuchens je nach Füllung zwischen 200 bis mehr als 300 Kalorien für 70 Gramm und liegt damit über dem von Käsekuchen und Schwarzwälder Kirsch. So nähern sich die Deutschen ihrem Lieblingsgebäck auch figürlich immer näher an. Sollte es an Fasching zu eng werden im Kostüm vom letzten Jahr. Kein Problem. Ist ja Karneval und man kann immer noch behaupten: „Ick bin ein Berliner!“ – sehr rund, sehr süß und sehr beliebt.

Berliner selber backen kann man, ist aber nicht ganz einfach, hier ein Rezept

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