Grußwort des Bundesministers des Auswärtigen, Sigmar Gabriel, zum 3. Oktober 2017

Außenminister Sigmar Gabriel Bild vergrößern (© Auswärtiges Amt) Vor fast drei Jahrzehnten feierten wir die deutsche Wiedervereinigung und die Überwindung der Teilung Europas in Ost und West. Die Erinnerung an diese Überwindung des Trennenden bewegt Menschen in aller Welt bis heute. Mit Dankbarkeit blicken wir zurück auf diese historische Chance und auf die Politiker, die seinerzeit die Fundamente für die Wiedervereinigung gelegt haben: Willy Brandt und Helmut Kohl, der in diesem Jahr verstorben ist.

Vorangegangen waren Jahre der Entspannungspolitik des damaligen Bundeskanzlers Willy Brandt,  in denen trotz der Gegensätze der Systeme ein Wandel durch Annäherung erreicht werden konnte. Deutschlands Engagement für die europäische Integration, die Aussöhnung mit den Nachbarstaaten und die Abkehr von nationalstaatlichen Machtallüren schufen den Rahmen für die deutsche Einheit.

Seit der Wiedervereinigung Deutschlands und der Welle von Demokratie und Rechtstaatlichkeit, die damals viele Staaten in der Welt erreichte, befinden wir uns heute in einer Zeit, in der Interessensgegensätze wieder stärker hervortreten. Die globalen Herausforderungen haben in den vergangenen Jahren weiter zugenommen: Geopolitische Konflikte, Terrorismus, Migrations- und Fluchtbewegungen, Armut und Hunger sowie voranschreitender Klimawandel und Epidemien stellen Gesellschaften weltweit vor große Aufgaben.

Noch immer sind wir auf der Suche nach einer, wie Willy Brandt sie genannt hat, „Weltinnenpolitik“, die geprägt ist durch globale Gerechtigkeit, die Stärke des Rechts und die Überwindung der nationalen Grenzen. Die globale Gemeinschaft hat in den letzten Jahrzehnten bedeutende Fortschritte erzielt; die Agenda 2030 ist für die Weltgemeinschaft ein Meilenstein, Auftrag und Versprechen gleichermaßen. Nur gemeinsam und auf Augenhöhe lassen sich globale Herausforderungen bewältigen, wie beispielsweise der Klimawandel mit seinen dramatischen Folgen wie Dürren und Überschwemmungen. Auch die Befriedung regionaler Konflikte und Krisen ist eine globale Aufgabe; Stabilisierung und Entwicklung schaffen Lebensperspektiven.

Kein Staat der Welt kann die internationalen Probleme, vor denen wir stehen, alleine lösen. Alle diese Probleme bekämpft man nicht mit Isolation, sondern nur mit starken Partnern. Im Lichte seiner eigenen Geschichte und der Erfahrungen mit der Überwindung von Gewaltherrschaft und dem Aufbau und der Stärkung des demokratisch verfassten Rechtsstaats stellt sich unser Land den Herausforderungen. Deutschland ist bereit, international Verantwortung zu übernehmen. Deshalb kandidiert Deutschland für einen Nichtständigen Sitz im Sicherheitsrat der Vereinten Nationen für 2019/2020. Wir leben heute in Zeiten großer Herausforderungen, deren Bewältigung über die Zukunft der Menschheit und des Planeten entscheiden wird. Wir leben zugleich in einer Welt vielfältiger neuer Chancen, die wir aktiv gestalten sollten. Der Tag der Deutschen Einheit ist eine gute Gelegenheit, sich dessen zu besinnen.

Grußwort des Bundesministers des Auswärtigen zum 3. Oktober 2017

Feier zur deutschen Wiedervereinigung